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Analyse: Die tatsächlichen Arbeitsmarktzahlen Mai 2010

Wieder einmal lobt sich die Bundesagentur für Arbeit für die niedrigen selbst gefälschten Arbeitslosen Zahlen. Der gutgläubige Deutsche glaubt dann an einem Aufschwung, so soll es sein.

Die reale Welt sieht wie immer anders aus. Bevor auf die aktuellen Zahlen eingegangen wird, zunächst ein Rückblick auf die Zahlen von März 2010 zum besseren Verständnis der Problematik.

Tatsächliche Arbeitslosigkeit im März 2010

Im März 2010 sind 4,77 Millionen Menschen bundesweit arbeitslos,  Zeit zu handeln statt zu tricksen!


Tatsächliche Arbeitslosigkeit im März 2010 4.773.541
Offizielle Arbeitslosigkeit 3.567.944
Nicht gezählte Arbeitslose, darunter 1.205.597
Älter als 58, beziehen Arbeitslosengeld II ca. 350.000
Älter als 58, beziehen Arbeitslosengeld I (§ 428 SGB III) 1.862
Ein-Euro-Jobs (Arbeitsgelegenheiten) 287.142
Berufliche Weiterbildung 210.651
Eignungsfeststellungs- u. Trainingsmaßnahmen (z.B. Bewerbungstraining) 1.639
Aktivierung und berufliche Eingliederung (z. B. private Arbeitsvermittlung) 271.844
Beschäftigungszuschuss (für schwer vermittelbare Arbeitslose) 41.559
Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen 3.538
Kranke Arbeitslose (§126 SGB III) 37.362

Quellen: Bundesagentur für Arbeit: Der Arbeits- und Ausbildungsmarkt in Deutschland. Monatsbericht März 2010, Seite 65. Die dort aufgeführte Altersteilzeit sowie Gründungszuschüsse und sonstige geförderte Selbstständigkeit haben wir in der Tabelle nicht berücksichtigt. Die dort ebenfalls aufgeführten älteren Arbeitslosen, die gemäß § 53a Abs. 2 SGB II nicht als arbeitslos zählen, sind enthalten in der ersten Gruppe der Tabelle (Älter als 58, beziehen Arbeitslosengeld II). Diese große Gruppe der älteren ALG II-Bezieher, die nicht als arbeitslos gelten, ist nicht im Monatsbericht ausgewiesen, sondern in einer Sonderpublikation der Bundesagentur für Arbeit: Analyse der Grundsicherung für Arbeits- suchende Dezember 2009, Seite 17. Die genaue Zahl für diese Gruppe wird jeweils mit viermonatiger Verzögerung publiziert.

Wie in der Tabelle ersichtlich, bekommen Sie nicht die ganze Wahrheit gesagt, sondern nur das, was für die Öffentlichkeit zugelassen wird. Auch die Kosten der Bundesagentur steigen ständig, obwohl diese ja bei sinkenden Arbeitslosenzahlen eigentlich irgendwann auch mal sinken müssten.  Die Zahlen bei »Aktivierung und berufliche Eingliederung (z. B. private Arbeitsvermittlung) = 271.844«, sind besonders zu beachten. Erst seit 2009 werden Arbeitslose, welche von privaten Arbteitsvermittlern betreut werden, nicht mehr in der Statistik geführt. In dieser Zahl (271.844) steckt die gesunkene Arbeitslosenquote gegenüber 2009 und hat rein gar nichts mit einer real sinkenden Arbeitslosenzahl gemein.

Haushaltsentwicklung der Bundesagentur für Arbeit

Jahr Kosten
2005/2006 43,70 Mrd.
2007 43,70 Mrd.
2008 43,26 Mrd.
2009 45,60 Mrd.
2010 54,08 Mrd.

Bei angeblich sinkenden Arbeitslosenzahlen steigen die Kosten immer weiter. Na sowas, hat sich wohl einer verrechnet. Quelle: wikipedia

Die aktuellen Abeitslosenzahlen im Mai 2010

Ein Artikel dazu von Sybilla

Die Arbeitslosigkeit ist selbstverständlich wieder gesunken und in diesem Jahr hält der Frühjahrsaufschwung besonders lange an. Mein Gott, was ich bin ich heute wieder sarkastisch…

Einzelhandelsumsatz bricht im April 2010 erneut um real 3,1% ein

Pressemitteilung Nr.192 vom 01.06.2010 Einzelhandelsumsatz im April 2010 real um 3,1% gesunken – WIESBADEN – Nach vorläufigen Ergebnissen des Statis-tischen Bundesamtes (Destatis) lag der Umsatz im Einzelhandel in Deutschland im Mai 2010 nominal 1,8% und real 3,1% niedriger als im Mai 2009. Beide Monate hatten jeweils 24 Verkaufstage.

Die Frühjahrsbelebung kommt nicht in der Binnenkonjunktur (Jahresvergleich) an.

Arbeitsmarkt Mai 2010:

Auswirkung der Neuausrichtung der arbeitsmarktpolitischen Instrumente auf die Messung der Arbeitslosigkeit BA Bericht Mai 2010 Seite 12 –….Die Neuausrichtung der Instrumente hat indirekt Auswirkungen auf die Vergleichbarkeit der Arbeitslosenzahlen im Zeitablauf. Nach § 16 Absatz 2 SGB III gelten Teilnehmer an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik nicht als arbeitslos. Diese Regelung kommt bei den neuen Maßnahmen nach § 46 SGB III zum Tragen und entsprechend werden Teilnehmer an solchen Maßnahmen einheitlich nicht als arbeitslos geführt. […] Im April 2009 waren Dritte bundesweit für rund 200.000 Personen mit der Vermittlung nach § 37 SGB III alter Fassung beauftragt. Die Teilnahmen an diesem Instrument laufen ab Mai 2009 sukzessive aus und parallel dazu erhöht sich die Zahl der Teilnahmen an den neuen Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung. Dadurch wird im Vergleich zu früheren Zeiträumen die Arbeitslosenzahl durch Teilnahmen an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen stärker entlastet. Dieser Effekt ist bei der Beurteilung der Arbeitslosenzahlen
zu berücksichtigen.…

Offizielle Zahl der registrierten Arbeitslosen im Mai 2010
3.241.529 + 1.602.244 Personen in arbeitsmarktpolitische Instrumente

ARBEITSLOSE + Personen in Maßnahmen Mai 2010 == 4.843.773 betroffene Personen

BA Bericht Mai 2010 Seite 51 Unterbeschäftigung ohne Kurzarbeit 4.423.773 Personen Unterbeschäftigungsquote 10,4 %

Nach den jüngsten Angaben wurden im März 2010 an 830.000 Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld gezahlt. (BA Bericht Mai 2010 Seite 9)

Leistungsempfänger 3): (ALG I 987.744; ALG II 5.038.185; Sozialgeld 1.856.218 ohne Sozialhilfe SGB XII)

BA Bericht Mai 2010 Seite 51
3) Endgültige Werte stehen erst nach einer Wartezeit fest. Am aktuellen Rand können die Daten aufgrund von Erfahrungswerten überwiegend hoch gerechnet werden.

Die Zahl der Leistungsempfänger (ALG I, ALG II, Sozialgeld) verharrt weiterhin bei rund 8 Millionen Personen (7.882.147) BA Bericht Mai Seite 51.

Der BA – Arbeitsmarktstatistik suggeriert weiterhin eine Insel der Glückseligkeit. Die Arbeitslosenstatistik der BA verzeichnet die übliche Frühjahresbelebung am Arbeitsmarkt die nicht so stark ausfällt „wie erwartet“.

Bei sorgfältiger Betrachtung des BA Monatsbericht fällt allerdings auf, dass viele Zahlen auf Schätzungen und Hochrechnungen beruhen. Für mich stellt sich deshalb die Frage, wird die Zahl der Arbeitslosen seitens der BA gezählt oder – wie zuletzt in Griechenland – geschätzt?

Vor allem stellt sich die Frage, woher kommt trotz „robusten Arbeitsmarkt“ das exorbitant hohe Finanzdefizit der BA und der exorbitant hohe Anstieg der Ausgaben für soziale Leistungen (ALG II) bei den Kommunen?

Statistisches Bundesamt – Pressemitteilung Nr.505 vom 22.12.2009 – Deutliches Defizit der Kommunen im ersten bis dritten Quartal 2009

Laut BA Schätzungen/Hochrechnungen befanden sich im Monat Mai *1,60 Mio. Personen (*vorläufig und hochgerechnet) in einer von Bund oder Bundesagentur für Arbeit geförderten arbeitsmarktpolitischen Maßnahme. (BA Bericht Mai Seite 6) Darunter sind nach BA Hochrechnungen/Schätzung 303.697 Personen in einer Arbeitsgelegenheiten nach § 16d SGB II Wobei von einer Untererfassung auszugehen ist, 3)

Es ist von einer Untererfassung auszugehen, so haben bundesweit für 2009 [Januar bis Dezember, Datenstand April 2010] nur ca. 71 % im BA Bericht März waren es noch 77 % der Träger Daten zum Einsatz der kommunalen Eingliederungsleistungen (flankierende Leistungen) erfasst.

Wie viele Personen in den fehlenden 23 % jetzt 29 % gefördert werden, wäre reine Spekulation. (BA Bericht Mai Seite 85 Fußnote 3)

Vor allem im Bereich der Arbeitsgelegenheiten (Ein Euro Jobs) ist eine erhebliche Untererfassung zu vermuten. Hinweis BA Bericht Mai 2010 Seite 85 Am aktuellen Rand werden die Daten aufgrund von Erfahrungswerten hoch gerechnet. 7) Vergleiche mit Vorjahresergebnissen sind nicht sinnvoll, da rückwirkend ab BM Jan 2010 die Datenbasis und das Messkonzept zur Auswertung von eingelösten VGS (bewilligt 1. Rate) umgestellt und die statistischen Ergebnisse revidiert wurden.
Quelle der Daten: http://www.pub.arbeitsagentur.de/hst…nat/201004.pdf

Wem nützt eine kreative Arbeitslosenstatistik die vielfach auf Schätzungen und Hochrechnungen der BA beruht?

Die Wirtschaftskrise schlägt demnach nur auf die Zahl der Leistungsem-pfänger und die Finanzen der BA und der Kommunen durch, nicht aber auf die Zahl der statistisch erfassten Arbeitslosen. Die BA Statistik der Arbeitslosen bleibt in der Krise „robust“ die Arbeitslosen werden weiterhin in den „Verschiebebahnhöfen“ – arbeitsmarktpolitische Instrumente und Kurzarbeit – sowie in der von der Ministerin angestrebten Ausweitung der steuerfinanzierten Bürgerarbeit, verborgen.

Lesen Sie auch »Von den Untiefen des Arbeitsmarktes im Mai 2010«

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